"Lösungen, an denen niemand vorbei kommt" - Das große Interview

Zur Hannover Messe 2021 bringt CONTA-CLIP das neue Kabeldurchführungssystem KDSI-SR auf den Markt. KDSI-SR adaptiert die innovative Dichtungstechnik von KDS, dient aber mit seinem inversen Systemaufbau der Schaltschrankbestückung von der Außenseite. Welche besonderen Vorteile das inverse Kabeldurchführungssystem auszeichnen und wieso wir uns mit unserem Programm als globaler Innovationsführer bei Kabelmanagementsystemen sehen, erläutert Prokurist Jörg Nowastowski-Stock, Leiter Produktmanagement bei CONTA-CLIP, im nachfolgenden Interview, welches mit der Fachzeitschrift SCHALTSCHRANKBAU geführt wurde.

Herr Nowastowski-Stock, das Kabelmanagementsystem KDS wurde für CONTA-CLIP zu einem großen Erfolg. Jetzt bringt Ihr Unternehmen KDSI-SR auf den Markt: Was ist daran neu?

Jörg Nowastowski-Stock: Bei KDS erfolgt die Bestückung und Abdichtung von der Gehäuseinnenseite. Für KDSI-SR haben wir die grundlegenden Innovationen adaptiert, die wir erstmalig mit KDS eingeführt haben, aber das System zur Montage an der Gehäuseaußenseite invers ausgelegt. Klingt erstmal einfach, stellte aber hinsichtlich der Rahmenkonzeption und der Dichtungstechnik ganz andere Anforderungen an die Entwicklung.

Können Sie das näher erläutern?

Jörg Nowastowski-Stock: Bei KDS-Click stand für uns die Idee im Mittelpunkt, eine schnellmontierbare, perfekt abdichtende Kabeldurchführungslösung zu entwickeln, welche die Unzulänglichkeiten herkömmlicher Dichtungssysteme vermeidet. Unser Hauptaugenmerk galt der maximalen Kompatibilität zu unterschiedlichen Kabel- oder Schlauchdurchmessern sowie der Option, die Konfiguration jederzeit ohne zeitraubende Rahmendemontage anpassen zu können. Ziel war es, dies mit einem modularen Aufbau und einer geringen Anzahl von Systemkomponenten zu erreichen, der nur wenige Handgriffe erfordert und ohne Werkzeugeinsatz erfolgt. Das ist uns mustergültig gelungen: Aktuell gibt es kein anderes Kabeldurchführungssystem am Markt, das so einfach ist und bei allen Anforderungen so zuverlässig abdichtet. Um bei KDS alle genannten Vorteile umzusetzen, haben wir das System für die Bestückung von der Gehäuseinnenseite konzipiert und praktisch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, weil sich mit diesem Aufbau die Zugentlastung zur Außenseite praktisch von selbst einstellt. Für Montageszenarien, bei denen jedoch eine Außenmontage der Kabeldurchführung erforderlich oder gewünscht ist, komplettieren wir unser Programm jetzt mit KDSI. Das „I“ im Kürzel verweist auf den inversen Aufbau der Lösung.

In welchen Fällen ist die Außenbestückung erforderlich?

Jörg Nowastowski-Stock: KDS orientiert sich an Schaltschränken oder Maschinengerüsten bzw. anderen Einbauverhältnissen, die genügend Raum lassen, um die Dichtelemente zur Kabelummantelung von der Gehäuseinnenseite in den Systemrahmen zu schieben. Bei kleineren Verteilerschränken können aber dichtgepackte Einbauten oder Kabelkanäle, die die Gehäuseöffnungen für die Durchführungsrahmen verstellen, das einfache Procedere behindern. Mit KDSI folgen wir sozusagen der alten Tradition, Kabelverschraubungen von außen zu montieren – allerdings mit dem großen Unterschied, dass bei unserem System nichts mehr verschraubt, sondern nur noch gesteckt wird. Als weiteres Plus verfügt KDSI über Abmessungen, mit denen es sowohl auf die für KDS erforderliche Gehäuseöffnungen als auch auf Standard-Ausbrüche für schwere Steckverbinder passt.

"Für Montageszenarien, bei denen jedoch eine Außenmontage der Kabeldurchführung erforderlich oder gewünscht ist, komplettieren wir unser Programm jetzt mit KDSI. Das „I“ im Kürzel verweist auf den inversen Aufbau der Lösung."

Durch welche konstruktiven Merkmale zeichnet sich der inverse Aufbau von KDSI aus?

Jörg Nowastowski-Stock: Für die äußere Bestückung mussten wir den Montagerahmen, genauer: die Zugentlastung, neu denken. Während sich diese bei KDS durch die Bestückung mit den konischen Dichtelementen von Innen von selbst ergibt, erforderte die Einbringung von der Außenseite neben der 180°-Drehung der konischen Rahmenführungen für Inlays und Dichtelemente noch eine zusätzliche Maßnahme, um ihren Festsitz unter Zug zu sichern. Das haben wir mit einer Rahmenhaube zur Abdeckung und Fixierung der Dichtelemente gelöst, die abschließend einfach auf den Rahmen aufgeschnappt wird. Konfektionierung und Montage von KDSI erfolgen analog zu KDS, nur eben von der Gehäuseaußenseite. Die zentrale Erweiterung von KDSI besteht in der Haube, deren Hälften abschließend um die Kabelstränge gelegt, miteinander verrasten und auf den Rahmen geschnappt werden. Als zusätzlichen Effekt deckt die Haube auch die Rahmenmontageschrauben ab, was nicht nur in optischer „Hinsicht“ eleganter ist, sondern anwendungsabhängig auch einen Hygienevorteil darstellt. Da wir bei der Konzeption der Haube hohen Wert auf die durchgängig einfache und komfortable Montage gelegt haben, mussten wir einiges an konstruktivem Know-how aufwenden Das betrifft besonders die Berücksichtigung von drei Dichtungsebenen.

Inwiefern war die Abdichtung eine Herausforderung?

Jörg Nowastowski-Stock: Anders als andere Fabrikate verfügen unsere Kabelmanagementsysteme über eingespritzte, unverlierbare TPE-Dichtungen. Damit gewährleisten sie nicht nur auf jedem Untergrund eine sichere Abdichtung nach IP66, sondern können auch nicht verrutschen oder versehentlich vergessen werden. Das vereinfacht die Rahmenmontage und -demontage erheblich. Außerdem entfallen zeitaufwändige Vorbereitungen, die zum Aufkleben gesonderter Moosgummi-Rahmendichtungen erforderlich sind. Um dieses bewährte Konzept bei KDSI durchgängig zu realisieren, haben wir bei der Konstruktion der Haubenhälften passgenaue Dichtungen gegen den KDSI-Rahmen und die innenliegende Kabeldurchführungs-Öffnung sowie in die Verrastungsebenen die Haubenhälften integriert. Es ergibt sich durch die Abdichtung zum Rahmen hin insofern ein Zusatznutzen, dass die TPE-Dichtung von innen eine Federkraft auf die montierte Haube ausübt. Wenn die aufgeschnappte Haube für nachträgliche Anpassungen der Durchführungskombination entfernt werden soll, reicht ein leichter Druck auf ihre Demontageöffnungen. Eine weitere Innovation betrifft die Wabenstruktur des Hauben-Kunststoffes die den Formteilen erhöhte Stabilität gegen mechanische Einwirkungen und thermisch bedingten Verzug verleiht.

Ihr Unternehmen hat in kurzer Zeit den neuen Geschäftsbereich Kabelmanagementsysteme auf- und ausgebaut. Wodurch kam es für einen traditionellen Klemmenhersteller wie CONTA-CLIP zu dieser Neuausrichtung?

Jörg Nowastowski-Stock: Wir betrachten dies nicht als Neuausrichtung, sondern als wichtige Diversifizierung unseres Sortiments. Reihenklemmen sind für CONTA-CLIP eine tragende Säule unseres Geschäfts, und das bleibt auch so. Tatsächlich haben wir uns mit dem raschen Ausbau unseres neuen Geschäftsbereichs innerhalb von rund drei Jahren selbst übertroffen, wenn ich das mal so sagen darf. Wir sehen unseren Auftrag darin, Verbindungstechnik und Zubehör zu liefern, die dem Kunden eine zuverlässige und möglichst zeitsparende Verdrahtung ermöglicht. Der Zeitvorteil ist heute bei Installationsmaterial zu einer zentralen Größe und einem entscheidenden Verkaufsargument geworden – gleich, ob es sich um Klemmen oder das Kabelmanagement handelt. Dabei war auch der Weg von der Klemme zum Gehäuse — also von der Ein- bis zur Durchführung – für uns fast zwangsläufig. Schon seit langem bieten wir in unserem großen SAB-Programm auch Lösungen für den Schirmanschluss von Leitungen an, vertreiben Verdrahtungskanäle, Verschraubungen und nicht zuletzt ein umfangreiches Gehäuseprogramm. Bereits da wurde eine sichere Abdichtung zu einem wichtigen Thema für uns. Bei Überlegungen, wie sich die typischen Unzulänglichkeiten herkömmlicher Durchführungssysteme vermeiden lassen, kam uns die Idee für KDSClick. Als wir dann im Rahmen kleiner Vorab-Recherchen erfuhren, wie groß die potentielle Nachfrage nach einer solchen vorkonfigurierbaren Durchführung war, haben wir ab 2017 die Chance genutzt, unser Kerngeschäft um ein originäres Alleinstellungsmerkmal zu erweitern.

"Auf dem Feld des Kabelmanagements können wir uns mit Fug und Recht als weltweiter Innovationsführer bezeichnen. (...) Ich bin überzeugt, dass wir mit unserem Know-how und technischen Vorsprung bei Kabelmanagementsystemen zum Marktführer werden können."

Inwiefern war das für den Klemmenhersteller CONTA-CLIP von Bedeutung?

Jörg Nowastowski-Stock: Das Klemmengeschäft ist ein Verdrängungsgeschäft. Das bedeutet, dass Hersteller in diesem Segment ihre Marktanteile nur durch Optimierungen und Verfeinerungen ihrer Bestandsprodukte erhöhen können, aber ein vollkommen neuer Ansatz eigentlich weder möglich noch sinnvoll wäre. Auf dem Gebiet des Kabelmanagements stellte sich die Situation für uns jedoch ganz anders dar. Dort tat sich für uns eine echte, noch nicht besetzte Marktlücke auf. Zum einen ergab sich damit für uns die Gelegenheit, von einem neuen Wachstumssegment zu profitieren, zum anderen stellen neuartige Produkte im gleichen Anwendungsfeld einen Türöffner für das Bestandssortiment dar. Und auf dem Feld des Kabelmanagements können wir uns mit Fug und Recht als weltweiter Innovationsführer bezeichnen.

Was unterscheidet den Innovations- vom Marktführer?

Jörg Nowastowski-Stock: Absatz und Marktdurchdringung. Ich bin überzeugt, dass CONTA-CLIP mit seinem Know-how und technischen Vorsprung bei Kabelmanagementsystemen zum Marktführer werden kann, um aber die entsprechende Marktdurchdringung und Produktionskapazitäten zu erreichen, haben wir noch einen langen Weg vor uns. Als Innovationsführer hingegen bieten wir heute schon mit unserem breiten Sortiment an Durchführungslösungen mit hoher Innovationsdichte so viele grundlegende konstruktive und funktionale Vorteile, dass niemand mehr an den von uns gesetzten Qualitätsmaßstäben vorbeikommt. Weil wir ganz neue Lösungsansätze gewählt haben, zeichnen sich unsere Produkte durch eine ganze Reihe echter Alleinstellungsmerkmale aus. Dafür konnten wir uns entsprechend problemlos international geltende Schutzrechte sichern. Außerdem haben uns diese grundlegenden Innovationen in die Lage versetzt, innerhalb von nur drei Jahren unser Kabelmanagement-Programm um diverse Neuentwicklungen zu erweitern. Heute können wir unseren Kunden für annähernd alle relevanten Durchführungs-Szenarien die überlegene Lösung anbieten. Das betrifft ja nicht nur KDSClick und KDSI, passende EMV-Anschlussbügeln, Kabelverschraubungen und die speziellen KDS-Flachbandkabel-Versionen, mit denen wir uns schon allein eine gute Marktposition erarbeitet haben, sondern auch die Flanschplatten der KDS-FP-Baureihe, mit denen wir quasi ins Schwarze getroffen haben. Zu KDSClick mögen herkömmliche Durchführungssysteme aus Sicht mancher Anwender noch als Alternative durchgehen, aber irgendwelche, mit KDS-FP vergleichbaren großformatigen Lösungen für bis zu 30 Schläuche oder Leitungen waren zuvor nicht ansatzweise erhältlich. Im übertragenen Sinne gilt das auch für metrischen Durchführungen, bei denen wir mit KDS-R erstmals das Prinzip frei wählbarer Dichtungsöffnungen bei einheitlichen Rahmengrößen eingeführt haben. Zusätzlich flankieren wir das Lösungsspektrum mit Schnelleinführungssystemen für unkonfektionierte Leitungen aus der KES-E-Reihe, die wir ebenfalls beständig ausbauen. Jüngstes Produkt sind hier die Rundausführungen der neuen Serie KES-E-R. Aktuell gibt es keinen anderen Hersteller, der in diesem Bereich auch nur eine annähernd vergleichbare Vollständigkeit des Sortiments erreicht – und wir haben das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Zur Zeit sehe ich bei uns weder Ideenmangel noch andere Gründe, die uns hindern, mit diesem Tempo weiterzuarbeiten und neue Lösungen zu entwickeln.

Gibt es bei CONTA-CLIP schon Überlegungen für künftige Projekte in diesem Segment?

Jörg Nowastowski-Stock: Ja, eine ganze Menge. Beispielsweise prüfen wir neue konstruktive Ansätze für integrierte EMV-Schirmungen. Außerdem widmen wir uns der Erschließung neuer Anwendungsfelder abseits der herkömmlichen Fabrikautomation. Von prinzipiellem Interesse sind für uns alle Bereiche, in denen Kabelbäume verlegt bzw. abgedichtet werden müssen, wie zum Beispiel im Bereich Automotive. Auch die ATEX-Thematik wird künftig bei uns eine Rolle spielen.

Hier geht's zur Ausgabe 6/2020 der Fachzeitschrift SCHALTSCHRANKBAU

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